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Über den Tellerrand geschaut: Schenker

Dienstag, Mai 5th, 2009

Vielleicht habt ihr schon einmal was von Öff Öff (manche nennen ihn auch Öffi) gehört. Er war einmal Anführer der Schenker-Bewegung. Die Organisation an sich gibt es heute nicht mehr, aber im Rahmen meines FÖJ’s haben wir vor 2 Wochen zwei ehemalige Mitglieder dieser Bewegung getroffen, die noch Heute so gut es geht nach den Idealen der Schenker Leben. Anlass sie zu treffen, war für uns der Wille eine Art alternatives Leben einmal etwas näher kennen zu lernen.

Also machten wir uns mit ca. 20 Leuten auf, um in der Nähe von Zittau das Haus aufzusuchen, in dem die Schenker-Bewegung einst zu Hause war. Der Besitzer des Hauses und des Grundstückes (leider kenn ich seinen Namen nicht mehr) hat uns dann in Empfang genommen um uns Rede und Antwort zu stehen. Geboren wurde er in Rostock, wo er dann auch begonnen hat zu studieren. Als er von der Schenker-Bewegung erfuhr, hat er allerdings sein Studium abgebrochen, um diesen System der Zwänge zu entfliehen. Mit seinem ersparten hat er das Grundstück (inklusive Bruchbude) gekauft, wo die Schenker um Öff Öff dann einige Zeit lang lebten. Grundgedanke war dabei, das jeder tun und lassen konnte was er will, dabei sollte keiner zu irgendwelchen Dingen gezwungen werden, die er selbst nicht wollte. Nahrungsmittel bekamen und bekommen sie noch Heute von Sympathisanten, aber hauptsächlich durch Containern (Lebensmittel, die die Supermärkte in den Müll werfen, aber noch nicht schlecht sind, werden dabei aus den Containern entnommen). Anfangs ging dieser gelebte Anarchismus auch gut. Doch mit der Zeit beschwerten sich einige Mitglieder, über andere, dass diese sich zu wenig an den anfallenden Arbeiten beteiligten. Arbeiten waren z.B. das ausbessern des Hauses oder ein kleiner Anbau von Gemüse. Es begann also eine gewisse Missgunst untereinander. Zudem kam noch ein Anführer, der sich über die anderen Mitglieder der Gruppe hinwegsetzte. Zum Teil gab es massiven Psychoterror, bis hin zu Morddrohungen unter den Mitgliedern. Öffi tat sein übriges dazu, durch ihn wurden Hierarchien aufgebaut, die im Anarchistischen Weltbild der Schenker eigentlich nicht existierten. So kam es, das Öff Öff eines Tages, vom Grundstück der Schenker verjagt wurde und sich die Schenker-Bewegung auflöste. Heute leben noch 2 Männer auf dem Grundstück. Der junge Herr, der sich mit uns unterhielt, war gerade ein Mal 26 Jahre alt, trotzdem kam er einem wahnsinnig Weise vor. Er berichtete uns von der Idee der Schenker, dass es überall kleinere anarchistische Gemeinschaften geben sollte, die weitgehend unabhängig voneinander sind. Dabei konnte er jederzeit zu aktuellen Geschehnissen Bezug nehmen. Letztendlich teilte er uns noch seine Enttäuschung darüber mit, dass die Bewegung, an die er geglaubt hatte, gescheitert ist.

Und obwohl es so schien als hätte er auf alles eine Antwort, so hatte er doch keine Ahnung, wie die Idee der Schenker so verbessert werden könnte um sie umzusetzen. Er hatte gemerkt, wie sich schon und insbesondere in dieser kleinen Gruppe die schlechten Charaktereigenschaften des Menschen (Habgier, Machtbesessenheit, Egoismus…) herausstellen.

Auf die Frage hin, wie er all diese Enttäuschungen und den Untergang seines großen Traumes verkraftet habe, antwortete er uns, dass ihm Jesus dabei geholfen habe.

Ich habe versucht möglichst wenig persönliche Wertungen einfliesen zu lassen und versucht nur zu berichten. Das soll auch nur Mal ein kleiner Einblick in eine Bewegung die den Kapitalismus ebenfalls ablehnt.

Christian M.